Niels Henrik David Bohr

Bohr, Niels Henrik David (1885-1962), dänischer Physiker und Nobelpreisträger, der grundlegende Beiträge zur Kernphysik und zum Verständnis des atomaren Aufbaus lieferte.

Bohr wurde am 7. Oktober 1885 in Kopenhagen als Sohn eines Physiologieprofessors geboren. Er studierte an der Universität Kopenhagen und erlangte dort im Jahre 1911 seine Doktorwürde. Noch im gleichen Jahr ging Bohr an die Universität Cambridge in England, um bei J. J. Thomson Kernphysik zu studieren. Bald darauf begab er sich an die Universität Manchester, um mit Ernest Rutherford zusammenzuarbeiten.

Bohrs Theorie zur atomaren Struktur, für die er 1922 den Nobelpreis für Physik erhielt, erschien zwischen 1913 und 1915 in verschiedenen Fachzeitschriften. Seine Arbeit war vom Rutherfordschen Atommodell abgeleitet, nach dem das Atom aus einem dichten Kern besteht, der von einem Schwarm viel leichterer Elektronen umgeben ist. Bohrs Atommodell stützte sich auf die Quantentheorie und das Plancksche Wirkungsquantum (das Verhältnis zwischen der Energie des Quants und der Strahlungsfrequenz). Nach dem Modell emittiert ein Atom nur dann elektromagnetische Strahlung, wenn ein Elektron im Atom von einem höheren Quantenniveau zu einem niederen übergeht. Das Bohrsche Atommodell war ein entscheidender Beitrag für weitere Entwicklungen in der theoretischen Atomphysik.

Im Jahre 1916 kehrte Bohr als Professor für Physik an die Universität Kopenhagen zurück, wo er ab 1920 dem neugegründeten Institut für theoretische Physik als Direktor vorstand. Dort entwickelte Bohr eine Theorie, die die Quantenzahlen in große Systeme gliedert, die aus klassischen Gesetzen abgeleitet sind. Neben dieser Theorie lieferte Bohr weitere wichtige Beiträge zur theoretischen Physik. Seine Arbeit bereitete den Weg für die Vorstellung, daß sich Elektronen in Schalen aufhalten und daß die Elektronen in der äußersten Schale die chemischen Eigenschaften des Atoms festlegen. Bohr lehrte an vielen Universitäten als Gastprofessor.

Im Jahre 1939 überzeugte Bohr, nachdem er die Kernspaltungsexperimente der deutschen Wissenschaftler Otto Hahn und Fritz Strassmann in ihrer Tragweite erfaßt hatte, die Physiker auf einer wissenschaftlichen Konferenz in den USA von der Bedeutung dieser Experimente. Er wies später nach, daß Uran 235 dasjenige Uranisotop ist, das gespalten wird. Bohr kehrte nach Dänemark zurück und wurde nach der deutschen Okkupation im Jahr 1940 zum Bleiben gezwungen. Schließlich gelang es ihm und seiner Familie, unter Lebensgefahr nach Schweden zu fliehen. Von dort reiste er nach England und in die USA weiter, wo sich Bohr in Los Alamos (New Mexico) an der Entwicklung der Atombombe beteiligte. Nach der Explosion der Bombe 1945 widersetzte er sich jedoch der Geheimhaltungspflicht über das Projekt, weil er die Folgen dieser verhängnisvollen neuen Entwicklung fürchtete. Bohr setzte sich für eine internationale Kontrolle ein.

1945 ging Bohr wieder an die Universität Kopenhagen, wo er unverzüglich an der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu arbeiten begann. Er organisierte die erste Atoms for Peace Conference (Konferenz zur friedlichen Nutzung der Atomenergie), die 1955 in Genf stattfand. Bohr starb am 18. November 1962 in Kopenhagen.

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