Hans Geiger
Geiger, Hans, (1882-1945), eigentlich Johannes Wilhelm Geiger, Kernphysiker, Erfinder des Geigerzählers zum Nachweis von Radioaktivität.
Geiger wurde in Neustadt an der Weinstraße geboren und studierte an der Universität von Erlangen, wo er 1906 seinen Doktortitel erwarb. Von 1912 bis 1925 war er Leiter des Laboratoriums für Radioaktivität an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin und war später Professor an den Universitäten von Kiel, Tübingen und an der Technischen Hochschule in Berlin. Seine ursprüngliche Arbeit behandelte die elektrische Entladung in Gasen. Nach Abschluß seines Studiums arbeitete er mit Sir Ernest Rutherford in Manchester von 1906 bis 1912 und entwickelte dort 1908 ein Gerät zum Nachweis von Alphateilchen. Das Instrument bestand aus einer gasgefüllten Röhre mit einem axial verlaufenden, unter Hochspannung stehenden Draht. Jedes Alphateilchen verursachte eine Ionisierung der Gasmoleküle und der sich daraus ergebende kurze Ionisationsstoß wurde mit einem Elektrometer gemessen. Geiger und Rutherford demonstrierten, dass Alphateilchen zwei Ladungseinheiten enthalten.
Im darauffolgenden Jahr beschossen Geiger und Ernest Marsden dünnbeschichtete Gold- oder Silberfolie mit Alphateilchen. Dabei beobachteten sie vereinzelt starke Ablenkungen der Teilchen von ihrer ursprünglichen Bahn. Diese ersten Streuversuche führten Rutherford zu der nach ihm benannten Atomtheorie. Geiger und Rutherford zeigten 1910, daß zwei Alphateilchen beim radioaktiven Zerfall von Uran frei werden. Mit J. M. Nuttall zeigte Geiger 1912, daß dies durch zwei Uranisotope verursacht wird. Die Geiger-Nuttall-Beziehung von 1911 besagt, daß eine lineare Beziehung zwischen dem Logarithmus der Reichweite der Alphateilchen und der Zerfallskonstante besteht. Die Zerfallskonstante steht wiederum in Zusammenhang mit der Halbwertszeit der emittierten Teilchen. Mit einem verbesserten Zählrohr gelang es Geiger, den Comptoneffekt nachzuweisen. In den zwanziger Jahren entwickelten Geiger und Erwin Wilhelm Müller an der Universität von Kiel das in seinen wesentlichen Bestandteilen heute verwendete Zählrohr (Geiger-Müller-Zählrohr). Mit ihm lassen sich verschiedene Arten ionisierender Strahlung, wie z. B. Betateilchen und Gammastrahlen, messen.
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